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Marokko 😍

Bilder sagen mehr als Worte, das ist klar. Ganz ohne Worte bin ich leider nicht ausgekommen bei diesem Beitrag, wer keine Lust hat auf lesen, der kann auch einfach runterscrollen und Bilder gucken....


Die Idee wurde schon im Januar 2023 geboren, nochmal nach Marokko, 43 Jahre nach dem ersten Besuch. 1980, die Bundeswehr hatte ich gerade hinter mir gelassen, flog ich nach Agadir, mit meiner damaligen Freundin Geli. Wir verbrachten dort 14 Tage, fuhren auch nach Marrakesh, aber all das ist ĂŒber die Jahre verblasst.

Jetzt habe ich nochmal fast 4 Wochen meine Erinnerung an Marokko aufgefrischt, und es war der Hammer ! Diesmal war ich nÀher dran, mit dem Wohnmobil unterwegs sein ist entscheidend anders als eine Pauschalreise. Man lÀsst sich treiben, rollt durch unglaubliche Landschaften, begegnet aussergewöhnlichen Menschen. Von allen besuchten Orten hinterlege ich einen google maps link, dann könnt ihr gleich immer schauen wo das ist.


Die Reise beginnt mit der Überfahrt von Algeciras, Spanien, nach Tanger Med. Die Karten gibts vergleichsweise gĂŒnstig bei Carlos, hier habe ich mal einen Link zu seinem Laden. FĂŒr mein Wohnmobil mit einer Person habe ich 250.- bezahlt, spĂ€ter habe ich mit Leuten gesprochen, die haben fĂŒr einen Kastenwagen 580.- bezahlt, also der Vergleich lohnt.

Mit den Tickets in der Sonnenblende geht es zur Verladung, der Andrang ist ĂŒberschaubar.


Die wahre Herausforderung kommt auf der marokkanischen Seite, dort ist die Kontrolle der ankommenden Fahrzeuge eher unkoordiniert und echt zĂ€h. Es ist stockdunkel als wir mit allen FormalitĂ€ten durch sind, - das 'wir' ist Antje und mein alter Freund Lars, mit dem mich einige gemeinsame Reiseabenteuer verbinden. Antje hat einen Stellplatz fĂŒr die erste Nacht herausgesucht, 15 km vom Hafen entfernt, die BegrĂŒssung durch streunende Hunde ist herzlich ! Die App 'park4night' findet auch hier echt coole PlĂ€tze, nicht vergessen kurz die ersten Rezensionen durchzulesen.




An der KĂŒste entlang fahrern wir Richtung SĂŒden, wir durchstreifen als erstes Rabat, unglaublich wieviele EindrĂŒcke dort auf einen wirken, Farben, GerĂŒche, Gerede. Ich habe das GefĂŒhl man kann das nicht so richtig auf Fotos wiedergeben, mit Worten beschreiben ist allerdings auch nicht leicht....Rabat siehe Fotos oben.

Unsere erste 'Tajine' ein TongefĂ€ss, Ă€hnlich dem altbekannten Römertopf, einmal mit Fisch und einmal mit HĂŒhnchen, gegart mit GemĂŒse und Kartoffeln, ziemlich lecker, wenn auch fĂŒr meinen Geschmack fast etwas zu durch, zumindest das GemĂŒse. Insgesamt hatte ich die morokkanische KĂŒche etwas schmackhafter in Erinnerung als sie dann tatsĂ€chlich war. Ich hĂ€tte mir teilweise etwas mehr 'spice' gewĂŒnscht.

RĂŒckblickend ist Rabat eines der Highlights auf dieser Tour gewesen. Casablanca lassen wir rechts liegen, der nĂ€chste Stop ist El Jadida, sĂŒdlich von Casablanca direkt am Meer gelegen. Was mich zutiefst beeindruckt ist die Herzlichkeit der Marokkaner, zumal sie echt ist. NatĂŒrlich wird man in den StĂ€dten angesprochen und gefragt wo man herkommt, ĂŒberraschenderweise sind viele Marokkaner schon in Deutschland gewesen, oder haben dort Verwandte. Dieses Ansprechen hat auch den Hintergrund ein wenig Geld zu verdienen, entweder weil die Mutter ein Restaurant hat wo man unbedingt Essen muss, oder die Familie im Wohnzimmer Teppiche von Hand knĂŒpft. Ist Quatsch, klar, aber trotzdem sehr kreativ.

Und all die Menschen die einem am Strassenrand zuwinken, ein SchÀfer mit seiner Herde, oder Kinder, das ist echt.


El Jadida :



Unbedingt erwĂ€hnen muss ich auch den Espresso, die Marokkaner sind echte Kaffeejunkies ! An jeder Strassenecke steht ein kleiner Kombi, sowas wie Renault R5, Heckklappe auf und SiebtrĂ€germaschine hinten drin ! Und irre was da ein Espresso rauslĂ€uft, da ist die Crema oftmals dicker als der Espresso selbst. Seht mal, und das ist kein Zufall, sondern ĂŒberall das gleiche :





Zucker !! Alles ist extrem gesĂŒsst, einem Espresso liegen meist 3 ZuckerwĂŒrfel bei, sehr grosszĂŒgig bemessen. Da hat man noch Einfluss drauf, aber beim Tee wirds schwierig, da ist der Zuckerberg nĂ€mlich schon drin.




Über Essaouira, die nĂ€chste Stadt an der KĂŒste, verliere ich nicht viel Worte, auch wenn es dort das erste Lokal -von Franzosen gefĂŒhrt- gab, in dem man Alkohol trinken konnte. Es ist so ein absolutes Touristending, die ganze Medina ist irgendwie nur auf Touristen ausgelegt, das sieht man an den angebotenen Waren, ich vergleiche das mit den MĂ€rkten in Rabat und El Jadida, da gibts auch Unmengen an GewĂŒrzen, GemĂŒse, FischhĂ€ndler und Metzgereien, die gibts in Essaouira nicht. Touristen kaufen kein GemĂŒse, die essen im Hotel oder Restaurant.


Etwas weiter sĂŒdlich, in Sidi Kaouki, finden wir ein kleines Paradies, Stellplatz direkt am Strand, ein paar nette Cafes und Restaurants, einen kilometerlangen Strand mit Wellen die zum Surfen einladen. Das habe ich dann tatsĂ€chlich auch gemacht, zumindest hatte ich es mir fest vorgenommen. Neoprenanzug und Board bei den 'Surf Twins' ausgeliehen und los gehts. Die Surf Twins sind zwei coole Surferboys, wie der Name schon sagt, Zwillinge. Das Surfen so schwierig ist hĂ€tte ich nicht gedacht, ich meine als alter Snowboarder hab ich schon ein gutes GleichgewichtsgefĂŒhl, aber das hat mit surfen nix zu tun. Fix und fertig komme ich nach einer Stunde aus dem Wasser und schĂ€le mich mĂŒhsam aus dem Neopren.




Drei Tage bleiben wir dort, ich hĂ€tte auch noch lĂ€nger dort ausgehalten, ich denke an Sidi Kaouki zurĂŒck auf der Fahrt nach Agadir, weiter Richtung SĂŒden. Immerhin fast 1.000 Km sind wir schon unterwegs, kommt einem garnicht so vor, man sieht so viel das man die Fahrerei komplett vergisst. Die Strassen in Marokko sind mit Spanischen Strassen zu vergleichen, also etwas schlechter als die von Bad Marienberg nach Hachenburg.



Agadir nimmt mich leider nicht mit, schlendern ĂŒber MĂ€rkte hab ich irgendwie satt gerade. Ich hab natĂŒrlich auch fliegen im Kopf, war lange nicht mehr in der Luft, wird nochmal Zeit. In Marokko ist Gleitschirmfliegen momentan stark reglementiert, man muss 30 Tage vor Einreise zwei Formulare ausfĂŒllen, seine LIzenz, Versicherungsnachweis und IPPI Card an ein Ministerium schicken. Hab ich zwar gemacht, aber nie eine Antwort bekommen, ich gehe davon aus ich habe das nötige getan.

Auf dem Weg von Tange an der KĂŒste entlang habe ich einige gute StartplĂ€tze gesehen, offiziell und auch nicht, aber der Wind passt nie. Entweder zu schwach oder von der falschen Seite. Fettes Hochdruckgebiet hier gerade, da bewegt sich nix.


So landen wir nach kurzer Fahrt von Agadir an der KĂŒste entlang Richtung SĂŒden in Sidi Rabat Ein ruhiger Stellplatz oberhalb des Strandes, gegenĂŒber ist ein kleines Hotel. Hier kommt man wieder schön runter, irgenwie sind die StĂ€dte nix fĂŒr mich, ist zwar eindrucksvoll aber ich geniesse die Ruhe und die Landschaft ausserhalb noch mehr.

Sidi Rabat ist ein verschlafenes Nest, ein paar HĂ€user, ein BĂ€cker, ein Kiosk. Wir lernen Mohammed kennen, er lebt dort mit seiner Mutter, seiner Schwester und deren Mann, sowie dem 9 Monate alten Sohn der beiden. Schnell werden wir in die Familie integriert, die VerstĂ€ndigung ist holprig aber mit HĂ€nden und FĂŒssen gehts. Mohammed erzĂ€hlt uns die Geschichte der Fischerhöhlen unten am Strand, die wurden von den Fischern seit hundert Jahren als kleines Lager und auch mal zum schlafen genutzt. SpĂ€ter haben auch französische Touristen diese Höhlen entdeckt, und als kleine Refugien ausgebaut. KĂŒnstler haben dort die Höhlen mit Malereien verschönert, auch im Ort sind nach dieser Kunstaktion viele bunte HauswĂ€nde entstanden.

Die Nutzung als Wohnraum ist allerdings illegal und wurde von der marokkanischen Regierung nicht geduldet, vier Wochen vor unserer Ankunft haben Bagger des MilitĂ€rs die touristisch genutzten Höhlen abgerissen, darĂŒber waren auch die Dorfbewohner sehr traurig.



Wir sind mit Mohammed und seiner Schwester noch im nÀchsten Ort gewesen und haben eine Menge Lebensmittel - und auch ein Fussballtrikot von Mohammeds Lieblingsmannschaft - gekauft.

Antje und Lars wollen in die WĂŒste, ich wĂŒrde lieber nach Boulemane, dort ist im hohen Atlas ein kleiner Gleitschirmclub. Auf dem Weg dorthin liegt Marrakesch, also brechen wir am nĂ€chsten morgen nach dem FrĂŒhstĂŒck auf.


Marrakesch ! Ich ĂŒberlasse Euch den EindrĂŒcken der Bilder, wir haben dort 3 Tage verbracht, sehr gut gegessen, viele Schritte gemacht - ein Tag mit 23.000 - und wieder mal Alkohol getrunken, der Ausschank ist in Marokko lizensierten Gastronomen vorbehalten.

Meine Highlights: Die Gassen mit ihren unglaublichen GerĂŒchen und EindrĂŒcken, der Jazzclub La Pergola mit Rooftop Bar und einem guten Rotwein.




Nach drei Tagen bin ich froh aus der Stadt mal wieder rauszukommen, ich fahre Richtung Boulemane, Antje und Lars Richtung WĂŒste.

An einer AutobahnraststÀtte esse ich den besten Burger meines Lebens, der absolute Hammer, das Brot wurde dort an der RaststÀtte frisch gebacken ! Antje und Lars teilen sich eine Portion Couscous, auch frisch zubereitet, Slowfood an der Autobahn, unglaublich, sowas gibts....( wahrscheinlich nur in Marokko )




Als ich Abends im Wohnmobil nochmal Boulemane google, taucht dieses Bild auf:



Ui, denke ich, fast wie in Deutschland um diese Jahreszeit. Und dann entschliesse ich mich doch eher Richtung Norden zu fahren....

Und werde belohnt mit wunderschönen Ausblicken und auch zwei schönen FlĂŒgen, an einem nicht offiziellen Startplatz. Ich bin froh das mein Wohnmobil 'autark' ist, zumindest was Strom angeht. Fast immer stehe ich frei, habe nie Stromanschluss und suche mir am liebsten PlĂ€tze im Off aus, dort wo man nicht den Nachbarn rumpeln hört.


Fast hinter jeder Kurve geht wieder ein neues Fenster auf, mit einer anderen Aussicht. Unendliche Weite, hohe Berge, Schluchten, TĂ€ler.





Und meine eigene Tajine, inclusive marokkanischem Gaskocher wird zĂŒnftig eingeweiht mit einer leckeren Kombination von Kartoffeln, Paprika, Zuchini, Auberginen und zum Schluss noch zwei Eier drĂŒber. Dazu passt das Mahou, teuer erstanden im Carrefour Marrakesch, perfekt.

Soll die Sonne meinetwegen untergehen !


Ein kurzer Besuch in  Meknes , alle SehenswĂŒrdigkeiten werden gerade renoviert, ich kaufe ein Gasventil fĂŒr die marokkanische 3Liter Butangasflasche, esse ein Sandwich mit HĂŒhnchen und GemĂŒse und fahre weiter. Es geht kurvig weiter, hinter einer dieser Kurven taucht auf einem HĂŒgel Moulay Idriss auf, sofort ist mir klar, das schaue ich mir an. Wunderschöner kleiner Ort, toller Markt, auf dem ich frische Eier & GemĂŒse kaufe und auch ein Mittagessen auf dem Marktplatz geniesse, diesmal eine Tajine, die gibts zum GlĂŒck auch in klein.




In einer winzig kleinen Kaffeerösterei nehme ich 2kg Kaffee mit, die HĂ€lfte ungemahlen, im Wohnmobil habe ich eine kleine KaffeemĂŒhle, hab ich mal in Immenstadt in einem Cafe entdeckt.

Jetzt habe ich knapp 2.000km zurĂŒckgelegt, die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Ich bin glĂŒcklich das ich sowas erleben darf, und demĂŒtig gegenĂŒber dem Leben, das meint es bisher immer gut mit mir, ich nehme es niemals als selbstverstĂ€ndlich hin sondern mache mir immer wieder bewusst welches GlĂŒck ich immer gehabt habe. Ein StĂŒck weit bin ich davon ĂŒberzeugt das dieses GlĂŒck von der Beschaffenheit meiner Gedanken abhĂ€ngt, eine positive Grundeinstellung lĂ€sst offensichtlich negative EinflĂŒsse nicht zu. Mit diesem Mindset bewege ich mich durch die Fremde, die garnicht fremd ist, sondern sich fast heimisch anfĂŒhlt.


4 Tage spĂ€ter erreiche ich Chefchaoen, die blaue Stadt. Diese liegt an einem Berghang in 565m Höhe, also fast wie zuhause in Bad Marienberg. Serpentinen herauf komme ich nĂ€her und frage mich wieso es 'Blaue Stadt' genannt wird, die HĂ€user sind hoch, weiss oder braun. Der Campingplatz 'Azilan' den ich bei park4night mit Top Bewertungen gefunden habe, liegt am oberen Ende, durch eine Toreinfahrt erreiche ich einen mit Kiefern bewaldeten Platz, der eine wunderschöne Aussicht ins Tal bietet. Ich suche mir einen Platz mit Halbschatten aus, das FrĂŒhstĂŒck geniesse ich gerne mit offener TĂŒre und Sonne auf den Beinen.

Erst am nÀchsten Morgen entdecke ich was den Charme des Ortes ausmacht. Es ist nicht der damals legale Haschischanbau, der in den 60er Jahren eine Menge Hippies aus aller Welt angezogen hat, es ist die Ruhe. Keine Hektik, keine Autos, Mopeds. Keine HÀndler die einen in den Laden ziehen. Nein, alles ist total gechillt, vielleicht auch wegen Haschisch, wer weiss.


Ich streune durch ganz enge, blaue Gassen, ein Marktplatz öffnet sich mit einer alten Festung. Wirklich sensationell, ein weiteres Highlight auf meiner Tour, auch wenn der Weg vom Camping in die Altstadt einige Höhenmeter zu bieten hat. Aber seht selbst, hier hab ich auch einige Fotos geschossen:




Hier treffe ich auch Antje & Lars wieder, ich verbringe drei Tage in Chefchaoen, es fĂ€llt mir nicht schwer. Am zweiten Tag parkt neben mir ein Ducato Kastenwagen mit WW Kennzeichen ein, Hui WĂ€ller ? tönt es. Die zwei kommen aus Herschbach, bei einem Sundowner Bier aus meinem KĂŒhlschrank stellen wir fest das wir ein paar gemeinsame Bekannte haben, klein ist die Welt.

Nach weiteren zwei Tagen, insgesamt fast 30 Tagen Reisezeit und total 2.600Km Strecke rollen wir gemeinsam Richtung Tanger Med zurĂŒck.


Es ist vieles hĂ€ngengeblieben von dieser Reise, wer mich kennt, weiss wie ich auf Menschen zugehe, wie neugierig ich bin, wie offen fĂŒr Neues. Es hat mir wieder einmal eine tolle Zeit beschert, ich wurde gut behandelt, freundlich, offen, hilfsbereit, gastfreundlich um nur einige Eigenschaften der Marokkaner zu nennen, alle habe ich persönlich erlebt und geniessen dĂŒrfen. Fahrt/Fliegt hin nach Marokko ! Lasst Euch mitnehmen von diesen herzlichen Leuten, surft mit den Surf Twins, kocht Tee mit Mohammed, lasst Euch mitreissen von Land und Leuten. Und werft Vorurteile ĂŒber Bord, am besten von der FĂ€hre Richtung Marokko, Ahoi !



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